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Büchler…, mit ein bisserl „was“ abgemischt.
Sicher kein Weisheitsbuch.
Das Buch dreht um den Smoky Mirror (hier als pdf zum reinlesen) und handelt, so wie es sich liest, von Doublebinds.

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Leselounge

Vorweg: Wer sich diesen Inhalten auf homorvolle Weise und mit zwinkerndem Auge annähern möchte, für den ist Paul Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“ genau das richtige. Mit schönen Beispielen aus dem Leben, keine Magie, kein Traum, kein Fluch, dafür erzählte Wirklichkeit und fundiert.
(wikipedia.org – Anleitung zum Unglücklichsein)

Klappentext – Miguel Ruiz enthüllt in seinem Bestseller einen praktischen und leicht nachvollziehbaren Weg, um uns aus dem kollektiven Alptraum von Angst, Missbrauch und Gewalt zu befreien. Den Traum von Freiheit, Freude und Liebe kann jeder verwirklichen. Vier einfache, aber kraftvolle Versprechen sind der Schlüssel zur innerenTransformation.

Los geht’s bei Ruiz mit: Die Domistizierung des Planten und der Traum

Das Leben ist ein Traum und nichts davon echt. Träumen ist die Hauptfunktion des Geistes, und der Geist träumt 24 Stunden pro Tag.

Das Kapitel scheint mir ziemlich schräg. Für nichts gibt es eine Wahl, alles Leben ist domestiziert und nirgendwo ist Freiheit. Letzteres muß hart erkämpft werden, weil alle Lebewesen ungeschriebenen, aber festen Regeln folgen, die sie nicht in Frage stellen. Woher die gesamte negative Gefühlskaskade der Menschen rührt.
Subtext: alles Leben ist Leiden, und das Leiden rührt nur aus der Betrachtungsweise der Welt.

Irgendwie kommt mir das bekannt vor. So ziemlich jede Religion trägt das in sich, aufgelöst wird der Schlamassel im Paradies oder nächsten Leben.

Ich hätte es gerne wie ein Hund, der sich einfach seines Lebens freut, weil er es hat, jetzt & hier, mitten drin und voll dabei.

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Was Ruiz über die Wahrnehmung des Lebens und der eigenen Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit in „Domestizierung und Traum des Planeten“ beschreibt, dreht sich, so wie ich das lese, hauptsächlich um Doublebinds.  

(Doublebinds beschreiben die lähmende, weil doppelte, Bindung eines Menschen an paradoxe Botschaften oder Signale und deren Auswirkungen. Die Signale können den Inhalt der gesprochenen Worte betreffen, oder Tonfall, Gesten und Handlungen sein.)

Die Doublebinds

Da halte ich grad für Neueinsteiger bei dem Thema, das Buch ist „Wege aus der Zwickmühle, Doublebinds verstehen und lösen“ von Christiane und Alexander Sautter, für den besseren und wahrscheinlich auch viel leichteren Weg zu Freiheit und Würde, als was Ruiz schreibt.

Wer in die Tiefen der Doublebinds möchte, findet unglaublich viel „Futter“ in „Menschliche Kommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien“ von Paul Watzlawick, Janet H. Beavin und Don D. Jackson.

Um die Sache dann aber im praktischen Leben aufzulösen, empfiehlt sich ein professioneller Wegbegleiter, der immer wieder coacht, denn die Dinger sind nicht einfach aufzulösen.

Extrem gut, beim aufdecken eigener Doublebinds der leichteren Art, sind Kinder und Tiere, sie können wahre Co-Trainer werden.

DCS_0014Kinder z.B. unterscheiden haargenau zwischen „echtem“ und „falschem“ Nein. Beim echten, sprechen Mund, Mimik und Körper eine eindeutige und einheitliche Sprache. Alles klar. Nichts widerspricht sich. Nein akzeptiert, bis zum nächsten Mal. Grenzen sind zum verschieben da.

Das falsche Nein kommt mit einem Lächeln im Gesicht.
Kann es also kein echtes Nein sein, sonst würde der Erwachsene nicht so lächeln, kann ich also weiter machen.
Bestechend logisch und so beginnen Dramen.

Hunde sind genauso hervorragende Co-Trainer für Zweibeins in der Sache. Sie verlangen saubere und einwandfreie Kommunikation. Hört ein Hund nicht auf sein Zweibein, ist das Zweibein unklar. Einfache Sache.DCS_0015
Folgt ein Hund seinem Menschen auf’s Wort, kommuniziert der Mensch klar und eindeutig in Mimik, Körpersprache, Kommando.

Da Hunde (gott-sei-dank) unsere Worte nicht verstehen, dafür die Kommandos,
können wir mit ihnen auch nicht ins babylonische Sprachgewirr abdriften.
Hört der Hund dagegen nur den Klangteppich aneinander gereihter Worte, dann braucht er nicht zu reagieren, ist ja nicht für ihn bestimmt, weil Klangteppich;)
Sehr praktisch für Anfänger in Sachen ich ent – decke die eigenen Doublebinds, wie klar bin ich bin mir und was ich will überhaupt?
Macht das Zweibein einen „guten Job“, gibt’s nirgends ein besseres und wertneutraleres(!) Feedback. Das Zweibein lernt’s –  dank seines Hundes – ganz spielerisch, und es wirkt auch noch in den Umgang mit anderen Zweibeins hinein.

Hervorragende Sache, und was gibt’ schönes, als wenn es matched? Auch noch mit viel Bewegung, Spaß, Freude, Abenteuer, Zuwendung und Coaching nebenbei;) Besser geht’s nicht.

Mit selbstgegebenen Versprechen, kenne ich persönlich niemanden, der seinen Doublebinds auf die Spur kam und sie knacken konnte. Doublebinds haben so ihre eigene Gesetzmäßigkeiten: Keiner kann gewinnen, jeder nur verlieren.

Alles nicht so einfach aufzulösen, weil an dieser Stelle gern Trigger mitmischen. Die auch ihren eigenen Gesetzen folgen. Sie sind nicht zu steuern, sie überfluten mit alten Gefühlen – die durch die Bank unangenehmes hervorrufen – und handlungsunfähig in der aktuellen Situation machen, was so nicht sein müßte.

Generell lautet eine der Regeln zum knacken von Doublebindsystemen: Nicht dagegen ankämpfen, dafür aussteigen. Das will  erstmal erlernt werden und auch dann funktioniert es nicht immer.

Weitergeht’s mit der Hölle, auf S. 26 ff:

Wenn wir die Hölle als einen Geisteszustand betrachten, dann ist sie überall gegenwärtig. Andere mögen uns drohen, dass wir zur Hölle fahren, wenn wir nicht das tun, was sie sagen. Schlechte Nachtrichten! Wir sind bereits in der Hölle, zusammen mit den Menschen die uns drohen. […] Es stimmt, dass uns andere in eine noch tiefere Hölle stürzen können, doch nur dann, wenn wir es ihnen erlauben. […] In ihrem ganzen Leben hat sie nie jemand schlechter behandelt, als sie sich selbst misshandelt haben. Und die Grenze ihres Selbstmissbrauchs ist genau das Limit, das sie bei anderen als Missbrauch ihnen gegenüber tolerieren.

Könnte man so sagen, nur resultiert es aus beherrschendem Einfluß und Doublebinds. Nur wer gelernt hat bzw. wem erlaubt wurde zu spüren, wo er DCS_0016missbraucht wurde, dass es Missbrauch war, kann es als solches erkennen, benennen und sich zur Wehr setzen.

Das Fatale an diesen „Knoten“, ein Mensch der in einem Doublebindsystem aufwuchs, es als Kind ursprünglich als Misshandlung/-brauch erlebte, aber dem die Wahrnehmung umgedreht wurde mit: es darf nicht sein was es ist (Nein, ich hab Dich nicht misshandelt, ich hab Dich bloß zurechtgewiesen, sagte der Erwachsener dem Kind, das er grün und blau geschlagen hatte) wie soll das funktionieren, wenn keine sichtbaren blauen Flecken vorhanden sind?
Wer in einem solchen Familiensystem überleben mußte, knackt das nicht mit Versprechen die er sich gibt. Er muß Doublebinds, unbewußte Glaubenssätze und Verdrehungen, spüren und erkennen lernen, in sich und bei anderen.

Nach Erzählungen von anderen und meinem eigenen Erleben sind unbewusst wirkende Glaubenssätze, an die sich nicht erinnert wird, viel stärker als sich selbst gegebene Versprechen.

Der springende Punkt, es braucht Situationen, die es unmöglich machen, gegen sich selbst zu kämpfen (keine Kraft mehr…, am Ende…, etc. ), zum spüren lernen, man hat gegen sich selbst gekämpft, obwohl man es nie wollte und sich dagegen zu wehren versuchte.

Ohne professionelle Hilfe ist so was kaum zu knacken. Und für die „Umbauarbeiten“ braucht man neben einem guten Architekten, einen guten Bauleiter, der sich wirklich auskennt. Meistens sind das Therapeuten.

Aus meiner Sicht geht es dabei auch um die Erfahrung von Freiheit.
Ausprobieren lernen, wer man ist, über spüren und fühlen, wie sich etwas anfühlt. Den Mut dazu finden, genauso wie die notwendigen Wegbegleiter, für: Echte „Ent – wicklungs – arbeit“ (die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen) was dauert und ein sich „weiter – ent – wickelnder“ Prozeß wird.

Nochmal zurück zur Hölle, zu selbst erdachten, am zugegeben extremen Beispiel der 12 Stämme.

Konkret: Die Szenen die ein RTL Reporter filmte. Kinder werden (zum Wohle des Systems) geschlagen (gebrochen) – und ihre Wahrnehmung verstört, damit das System (Die 12 Stämme) weiter bestehen bleibt (Doublebind). Für „Die 12 Stämme“ ist es Erziehung.

Kleine Kinder führt man in einen Keller- und Heizungsraum und „gewöhnt“ sie an seinen Zweck als Bestrafungsraum , wo sie bereits als Babies miterleben, wie andere Kinder dort geschlagen werden. Dabei spricht die Bezugsperson mit ruhiger, sanfter Stimme, während sie das andere Kind schlägt, das verzweifelt weint. Diese Prozedur wiederholt sich solange, bis das geschlagene Kind aufgibt, endlich sagt was es nicht ist: müde… Erbarmen und Gnade erst bei Selbstaufgabe, ist die Botschaft.

DCS_0018Die Kinder haben diese Wirklichkeit nicht geträumt, sie SIND in dieser Hölle, diese Hölle IST Wirklichkeit.

Es geht nicht „nur“ darum, Kinder zu schlagen / misshandeln, auch darum, eine Generation wächst heran, die die eigenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten nicht spüren, fühlen lernen darf. Die an dieser Stelle keine Sicherheit = kein Selbstvertrauen erlangt, sich auf sich selbst verlassen lernen, eigenem spüren und empfinden vertrauen darf und dessen Richtigkeit. Es wird eine innere Blockade eingebaut, damit das Kind, und später der Erwachsene, besser beherrschbar ist…
= gefügig gemacht = Wille gebrochen = Mensch entkernt = leicht lenkbar ohne Widerstand

Durch die immer wieder selbe Erfahrung die das Kind macht, bei sich und anderen erlebt, wird es schwer und nachhaltig traumatisiert. Empfinden und fühlen werden sozusagen schockgefrostet in Ohnmacht und Wehrlosigkeit gegenüber willkürlich erlebter Gewalt. Der Punkt um den auch Ruiz in Freiheit und Würde dreht. Das aufzulösen, an Traumatisierungen heran zu kommen, sie aushalten und ertragen zu lernen, das fühlen und empfinden dabei, ist mehr als nur schwierig.

An der Stelle, können Posttraumatische Belastungsstörungen, Panikattacken, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen ins „Spiel“kommen.

Versprechen funktionieren nicht und was Ruiz schreibt, über Missbrauch, klingt für mich nach gefährliche Laienpsychologie.

(S. 31) Wenn Sie sich selbst extrem missbrauchen, können sie sogar jemand tolerieren, der sie schlägt, demütigt und wie Abfall behandelt. Warum? Weil Sie in Ihrem Glaubenssystem sagen, „ich verdiene es, so behandelt zu werden.“ Dieser Mensch tut mir einen Gefallen, indem er mit mir zusammen ist. Ich bin es nicht wert, geliebt und respektiert zu werden. Ich bin nicht gut genug.

Destruktiv wie Kontraproduktiv für jene, die es glauben (wollen).

Dabei ist die andere Erfahrung, die des Erlebens des eigenen Wertes, des angenommen Seins, gut behandelt zu werden, nicht nur alleine verantwortlich zu sein, die aus meiner Sicht wichtige.
Zu lernen das aushalten zu können, spüren und fühlen, wie sich anfühlt, wenn es eben kein Missbrauch ist. Die Fähigkeit Unterscheidungen im spüren und fühlen zu treffen und auch das auszuhalten.

DCS_0009Ist es so wie in dem oben zitierten Absatz, geht es um achten und ehren lernen, sich selbst, was man erlebt hat, sich und das Erlebte befrieden, es so sein lassen lernen, weil es nicht mehr veränderbar und gut zu machen ist, weil bereits geschehen.

Bevor das ist, geht der Weg durch eine Menge Ohnmacht, Verzweiflung, Wut, Zorn, die ganze Klaviatur der Gefühle und des Seins, die davor (vielleicht) uneingestanden, diffus waren, aber nun ausgehalten, anerkannt, gewürdigt und sein gelassen werden wollen. Erstmal brauchen sie Raum und wollen ins Leben geholt werden, damit sie gehen können.

Ich weiß nicht, wie der Autor auf seine Ideen kommt, oder sein Großvater, der ihn im Traum „unterwiesen“ haben soll…

Der Umgang mit Worten – seien sie untadelig mit ihrem Wort

Worte sind Macht, schreibt der Autor.
Jein. Worte sollen Freiheit geben.

Aber ich finde auch: irgendwie sie sind nur ein rudimentäres Übersetzungsprogramm eigener innerer Bilder (per meiner Definition).

Die absolute Fallgrube: Ruiz beginn mit dem Johannis-Evangelium: Am Anfang war das Wort, und das Wort war mit Gott, und das Wort ist Gott. Gefolgt von einem Vortrag über den untadeligen Umgang mit Worten, und was sich Menschen manchmal so reinziehen und auf’s Auge drücken lassen…, dann kommt die Überleitung zu Hitler.

Hitler – und was er für Riuz war.
Das ist richtig arg. Hitler schickte Samenkörner der Angst in die Welt, die alle aufgingen, machtvolle Früchte trugen, und zu massiver Zerstörung führten, usw. usf.

Auf Seite 38 beginnt der Exkurs über Hitler, Macht, Manipulation und wie selbst gegebene Versprechen dagegen hätten wirken könnten. Der Umgang mit dem Wort erklärt sicher nicht was in der Zeit zwischen 1933 und 1945 geschah, und lang davor in ganz Europa seinen Anfang nahm.

Untadelig im Wort, fand ich den Teil von Kapitel 2, das 1.Versprechen nun nicht…

Weiter geht es mit: schwarzer Magie und Menschen die verflucht wurden. Immer noch sind wir mitten in den Doublebinds. Gedankenlos geäußerte Meinungen, werden zu Glaubenssätzen, die den behindern, den sie gefangen nehmen. Was auf Basis enger Verbindungen und Abhängigkeitsverhältnisse funktioniert. Lupenreine Doublebinds.

Das babylonische Sprachgewirr findet Erwähnung, wie die Annahme, wir wären alle gleich. Der Wirrwarr ist aufzulösen, mit den Vereinbarungen, die man mit sich selbst trifft.

Nimm nichts persönlich

Wir sind immer noch mitten im Doublebind. …und es erinnert mich an einen Mann, den ich auf Reha kennenlernte. Er konnte „zur Seite treten“ wie aus dem ff. Kam ein Stubser unterm Tisch, war ich unterwegs, wo ich nie ankommen konnte. Was nicht nur an mir lag, auch meinem Gegenüber. Blinder Fleck und Doublebind.

DCS_0005Mein Tischnachbar bemerkte sofort, wenn jemand sich in sich selbst verfing. Ich konnte mich darauf verlassen. Ein selbstgegebenes Versprechen ala Ruiz hätte mir in den Situationen nicht helfen können.

Mein Tischnachbar war der beste Coach den mir das Leben in der Sache schicken konnte. Es gab auf Reha davor Beispiele, wo mir Therapeuten versuchten, das zu erklären. Anhand eines Balls, den ich nicht auf fangen soll, was mich ab einem gewissen Punkt zunehmend wütend machte, weil ich den Ball schon in der Hand hatte, bevor ich es überhaupt merkte.

Es fehlte das Spüren dafür, was da passiert, bevor(!) das fangen beginnt. Man kann es lernen, damit es funktioniert, mit dem Ball vorbei fliegen lassen. Dafür braucht es jemanden, der den Körper lesen kann, was der so alles zu erzählen hat, was mehr ist, als mancher meint. Alles nicht so einfach;)

Spüren lernen

Ruiz meint: nichts persönlich nehmen, das setzt allerdings voraus, spüren zu können, was ist was und was ist meines?
Kann das jeder Mensch? Weiß jeder was er persönlich nimmt, wo beginnt es – bei ihm? Was geschieht davor? Was möchte jemand, in einer Situation in der er vielleicht gerade „hängt“? Weiß jeder Mensch zu jeder Zeit worum es ihm wirklich geht?

Alles nicht so leicht, so man nicht gelernt hat, was was ist, oder es einem verdreht wurde. Erst einmal muß das gerade gerückt, heraus gefunden werden, was wo verdreht wurde, im fühlen, spüren, wahrnehmen, benennen und sein.

Mitote – babylonisches Sprachgewirr, Waschmaschine oder Bienenstock im Gehirn

Da ist eine Sache, die er Mitote – ich babylonischen Sprachgewirr oder Gehirntremor nenne.

Ruiz meint, man stimmt nicht mit sich überein. Das alleine ist es nicht, oft ist es nur ein Heidendurcheinander, das sich sortiert muß. Das braucht Zeit, hat man es hinter sich, wird es ruhiger, das Eigene wird klar, und zeigt auf, wo’s hin gehen kann. Das aber braucht so lang wie’s braucht und kann nicht erzwungen werden.

Kerkerkettensätze von ihm, die aus meiner Sicht noch tiefer ins Labyrint führen, wie:

die Sucht nach Leiden ist nichts anderes als eine Vereinbarung, die jeden Tag getroffen wird,

DCS_0007sind bei Ruiz auch dabei. So einfach ist es nicht, dem, dem es beschissen geht, geht es das nicht, weil sie/er sich dafür entschieden hat, sondern, weil da etwas ist, was im Weg steht, was erst gefunden werden muß, um es zur Seite räumen zu können.

Aber es gibt natürlich auch Menschen, die halten sich am Leiden fest. Da hat es meist Funktion und Zweck – ist nur für alle anderen in diesem Umfeld, ausgesprochen unangenehm. Bis es eben… kracht.

Sich selbst vertrauen

Wo ich mit ihm überein stimme ist, dass es nicht sooo wichtig ist, anderen zu vertrauen, sondern sich selbst, um für sich die stimmigen Entscheidungen zu treffen. Eine Entscheidung auf anderer Basis, oder weil jemand etwas anderes meint, geht nach hinten los. Da braucht es aber kein Buch über Schamanismus um das zu wissen.

Auf Reha lernte ich, was „sich – selbst – vertrauen“ bedeutet, wie es sich anfühlt, und dass es was anderes ist, im erleben und spüren, als was ich davor meinte.
Es gibt Stand – in allen Emotionen. Man ist sich selbst der Fels in der Brandung.

Die tiefen Sachen, die es ausmachen, die fehlen mir in seinem Buch an sehr vielen Stellen.

Zieh keine voreiligen Schlüsse

Da schreibt er, warum wir Probleme heraufbeschwören, sobald wir voreilige Schlüsse ziehen und wie wir es schaffen, uns Riesendramen zu kreieren, in einem Film unterwegs zu sein, den es gar nicht gibt.

Dazu gibt es in „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick diese herrliche Geschichte (S. 37).

Der Hammer.

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, aber nicht den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen um ihn sich auszuleihen. Doch da kommen ihm Zweifel: Was wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile auch vorgetäuscht, und er hat was gegen mich? Und was? Ich hab ihm nichts getan. Der bildet sich da was ein.

Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum nicht er? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s ihm wirklich.

Und so stürmt er hinüber und läutet. Der Nachbar öffnet, doch noch bevor er guten Tag sagen kann, schreit ihn unser Mann an: Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!

Die Wirkung ist großartig, die Technik verhältnismäßig einfach, wenn auch keineswegs neu. Schon Ovid beschrieb sie in seiner Liebeskunst […]

Wer dem Ovidschen Rezept folgen kann, sollte keine Schwierigkeiten haben, dieses Mechanismus im Sinne unseres Leitfadens anzuwenden. Wenige Maßnahmen eignen sich besser zur Erzeugung von Unglücklichsein als die Konfrontation des ahnungslosen Gegenübers mit dem letzten Glied einer langen komplizierten Kette von Phantasien, in denen er eine entscheidende, negative Rolle spielt. […]

Quelle: Anleitung zum Unglücklichsein, Paul Watzlawick, 1983

Tu dein Bestmögliches

Ruiz nimmt als Referenz für das Bestmöglich die aktuelle Verfassung, die nicht immer gleich ist. War ich gestern fit, habe ich mehr gewuppt, als heute, wenn ich vielleicht fix und alle bin, Kopfschmerzen habe, sonst etwas passiert ist, worauf ich nicht vorbereitet war.

DCS_0011Das Bestmögliche ist das, was mir jetzt möglich ist. Nicht mehr, nicht weniger. Es ist nicht das Perfekte, das wäre zuviel! Gebe ich mein Bestmögliches, brauche ich mir keine Vorwürfe machen, denn ich hab mein Bestmögliches gegeben, was möglich war.

Ich sehe das differenzieter, wegen der Kompensationsstrategien und Leitsätze (lt. Sautter) die Menschen wählen, die in Doublebindfamilien aufwuchsen, wie u.a. diese:

– mit dem höchstmöglichen Einsatz, das Ziel der Anerkennung zu erreichen
– sich damit abfinden Anerkennung nicht zu verdienen und „aufzugeben

der gewählte, unbewusste Leitsatz arbeitet unterschwellig gegen jedes sich selbst gegebene Versprechen, und führt zum Selbstboykott…, das Bestmögliche kommt dagegen nicht gegen.

Damit das Bestmögliche greifen kann, braucht es Unterstützung. Hilfe die aufzeigt und aufmerksam macht. Akzeptanz des Selbst. Sich geben was man braucht. Füllt, was es zu füllen gilt.

Ist das geschafft und etabliert, kann das Bestmögliche greifen und mancher Absturz oder Zusammenbruch wegen Totalverausgabung verhindert werden.

Das Wesen der Dinge

Ruiz zitiert dazu folgende Beispiele in seinem Buch.

Es gab einmal einen Mann, der sein Leiden behandeln lassen wollte, daher suchte er buddhistischen Tempel auf, in der Hoffnung einen Meister zu finden, der ihm helfen konnte.

Er fragte, Meister, wenn ich jeden Tag vier Stunden meditiere, wie lange werde ich brauchen, bis ich geheilt bin?

Der Meister erwidert: Wenn Du vier Stunden täglich meditierst, wirst du vielleicht in 10 Jahren geheilt sein.

Der Mann dachte, er könnte sein Ziel schneller erreichen und sagte: Meister, wenn ich jeden Tag 8 Stunden meditiere, wie lange würde ich brauchen, bis ich geheilt bin?

Der Meister sah ihn an und antwortete: Wenn Du täglich 8 Stunden meditierst, wirst du vielleicht in 20 Jahren geheilt sein.

Aber warum wird es länger dauern, wenn ich mehr meditiere?

Der Meister antwortete: „Du bist nicht auf der Welt um Deine Lebensfreude zu opfern. Du bist hier, um zu leben, um glücklich zu sein und um zu lieben. Wenn Du in 2 Stunden Meditation Dein Bestes tun kannst, stattdessen aber 8 Stunden meditierst, wirst Du nur ermüden, nicht begreifen, worum es geht und Dein Leben nicht mehr genießen. Tu Dein Bestes, und vielleicht wirst Du dann lernen, dass Du leben, lieben und glücklich sein kannst, egal wie lange Du meditierst.

Und: wenn man immer sein Bestes tun, heißt das, dass man handelt. Sein Bestes zu tun, heißt etwas zu tun, weil man’s mag/liebt, nicht weil eine Belohnung (Verdienst) erwartet wird. …

das kommt dem Dinge um ihrer selbst willen tun sehr Nahe.

Als Bsp: Ich fahre nicht Rad, um Sport zu machen, sondern, weil ich gern Rad fahre. Für mich das Wesen der Dinge. Daraus kommt der Antrieb, daraus kommt die Kraft. Der Rest ergibt sich ohne mein zu tun.

Im alltäglichen frage ich mich, warum viele Menschen „Sport machen müssen“, statt zu tun, was ihnen Spaß macht, und selbes so nebenbei mit sich bringt.

…denn nach meiner ganz persönlichen Logik würden sie nicht „müssen“ sagen, wenn es etwas ist, was sie gern tun. Denn dann wäre es längst geschehen, eben weil sie’s gern tun. Was man gern tut, muß man nicht.

Zu Molinos und Coelho

Im Anschluß geht Ruiz direkt in die Inhalte des Buches „Finde Deinen Weg“ (christlichen Mysthik) von Miguel de Molinos

wikipedia- Miguel_de_Molinos
molinos/geistliche – wegweisung.pdf
Das klingt sehr abgekupfert – nur ohne Quellenangabe…

Der Anschluß könnte von Coelho stammen.
Mir gefiel vor einigen Jahren die Nacherzählung vom 12. Berg, Elf und der Jakobsweg. Ein paar der Übungen probierte ich aus.
U.a. die mit den Feuersäulen, und abwarten wer kommt. Es kam jemand, mit Namen, ich wiederholte die Übung ein paar Tage später, wieder klappte es.
Danach ließ ich es sein. Es funktioniert. Das zu wissen reicht mir.

Georg der Drachentöter

…womit ich in meinem Kulturkreis ankomme. Bei Georg dem Drachentöter, der sich ganz auf sich besinnen mußte, um den Drachen zu „besiegen“. Das mit dem besiegen/töten in der Geschichte, stört mich, ich versteh‘ die Sage nur als Metapher.

Was ich gelernt habe ist, was in einem ist, kann man nicht bekämpfen, besiegen oder töten, man muß dem Raum geben und es zu lassen, damit sich seine ggf. destruktive Kraft wandelt. Georgs Drache (eher ein Wesenanteil seiner, als etwas anderes) konnte nicht getötet werden, darum mußte Schorschi in der Sage (für mich) weiterhin durch die Lande ziehen und Drachen „töten“, mit immer anderem Aussehen, in immer anderen Königreichen…

Nach meiner Logik man muß den Drachen lieben lernen um ihn reiten zu dürfen, mit DCS_0004ihm sein lernen, den eigenen Umgang mit ihm finden, alles andere kostet zu viel Kraft und ist zu anstrengend. Verpulvert zuviel Kraft und ständig ist man damit beschäftigt den eigenen Drachen im Zaum zu halten, für was ist und um was es geht, bleibt zu wenig übrig. Dabei kann ein Drache so hilfreich sein, wenn man ihn denn lässt…

Ruiz dagegen hat es mit Kampf, Krieg und Hölle, und schreibt dazu: Des Kriegers Ziel ist es, diese Welt umzuformen, dieser Hölle zu entkommen und nie wieder in sie zurück zu kommen.

Die Tolteken gehen davon aus, dass die Belohnung darin besteht, die menschliche Erfahrung des Leidens zu überwinden und die Verkörperung Gottes zu werden.
Das sagen auch Buddhisten von sich. Sie wollen ihr eigener Buddha werden.
Im Judentum gibt es ein ähnliches Prinzip im Tiqqun Olam.
Bei Christen und Moslems stehe ich gerade auf dem Schlauch.
Aber etwas „Besseres“ nach dem Tod, versprechen alle, egal welche Glaubensrichtung.

Nur ich will kein Gott, Buddha, etc… sein. Bloß ich selbst. Mir reicht das.

Der Weg zur Freiheit

DCS_0019Hier wird meiner Auffassung nach eher das Menschsein selbst beschrieben. Ich habe bei meiner Arbeit viele Leute kennen gelernt, die das aus sich heraus lebten, in den Bergen, auf dem Land, wo ich unterwegs war. Einen Menge ganz schlichte Sätze mit viel Karamba gehört, die echten Gehalt hatten.

Bei der Funktion des Gehirns sind für meine Begriffe echte Kalauer dabei. Was Ruiz beschreibt, in Verbindung mit Innere Richter, Opfer etc., dort geht es zu sehr um Krieg und Kampf, diese Kämpfe enden nicht. Das kann’s nicht sein. Es wird nicht befriedet worum es geht, so ist man wieder nur mit immer dem Selben beschäftigt, statt worum es geht. In jedem Fall geht es nicht mit dem zusammen, was ich in den letzten 4 ½ Jahren lernte.

Vom Opfer zur Überlebenden

Thesen wie: Der Krieger ist jemand der gegen die Invasion der Parasiten (was ich als angelernte, unbewusste Muster verstehe), rebelliert. Der Krieger rebelliert und erklärt den Krieg. […] Sich für diesen Weg zu entscheiden, gibt uns – wenn nichts anderes – auf jeden Fall die Würde der Rebellion und sorgt dafür, dass wir nicht die hilflosen Opfer unserer eigenen launenhaften Emotionen werden oder der vergifteten anderer…,

kann ich nicht teilen. Rebellion und Krieg. Rebellion kann ziemlich kontraproduktiv werden und im Krieg gibt es nur Sieger und Besiegte/Verlierer. Die Würde der Rebellion ist nach meiner Auffassung für nichts gut und schließt hilflose Opfer auch nicht aus. Das ist wieder so ein sinnloser Kampf der nicht zu gewinnen ist. Kann man den Kampf sein lassen und stattdessen gemütlich picknicken gehen.

Was dann so kommt über Paradies und Hölle, da stehen mir die Haare zu Berge. Meine Welt funktioniert anders, inkl. Paradies und Hölle.

Trigger

Ruiz beschreibt Trigger ohne sie als solches zu benennen. Was er vorschlägt, wie „man“ damit umgehen soll, verstärkt Trigger.

Mir fehlt das Wesentliche. Wer getriggert ist, kann keine Gefühle zurück halten, lenken, darum sind es Trigger. Trigger wirken, wo Traumatisierungen sitzen. Traumata sind schockgefrostetes Erleben eines nicht mehr zu bewältigenden Erlebens auf allen Daseinsebenen, aus einer anderen Zeit, im eigenen Leben. Im hier & jetzt, mit all den Ängsten von damals, keine Unterscheidung treffen können, zwischen der Situation damals, und der Situation heute.

Damit ein Trigger gehen kann, braucht es Zeit, geschützten Rahmen, in dem gehalten werden erlebt wird, die Gefühle zugelassen, ausgehalten, überlebt, verstanden, einzuordnen gelernt werden und darüber hinaus ein individuell unterschiedlicher, adäquater Umgang damit gefunden wird.

Das braucht und dauert. Wie Ruiz es beschreibt, bleibt es ein Kampf gegen sich selbst. Den kann man aber nie gewinnen.

Kontrolle als Heilmittel…

Die Unterscheidung Opfer / Krieger die er trifft: Der eine kann seine Gefühle lenken, weil er gelernt hat sie (und damit sich) zu verstehen, was sie ihm sagen, worauf sie hinweisen. Der, der es kann es nicht, wird dadurch (erst) zum Opfer. Und wieder Kontrollzwang.

Die entscheidende Hälfte, der Trigger, fehlt.

Ich sehe das auch anders. Was ist, braucht integrieren, einen Rahmen geben, damit es Platz hat, in Ruhe sein kann, zugelassen wird, darüber kommt die Befriedung des Gefühls, es kann sich beruhigen und sein, weil es dazu gehört, angenommen ist, statt gegen es, mit Kontrolle, anzuarbeiten.

DCS_0001Das mag es nämlich gar nicht, da kämpft es gewaltig, weil es sein und dazu gehören will, es hat einen triftigen Grund, dass es da ist – das Gefühl, um welches immer es geht. Um diesen Grund geht es. Darf er sein, darf und wird der Trigger frei zu gehen.

Ich halte nicht für Weisheit was in dem Buch steht.
Manches liest sich für mich viel eher wie eine Anleitung zur Selbstverleugnung.
Von Doublebinds hat Ruiz anscheinend wirklich nie gehört, aber in dem Buch geht’s laufend darum.

…obwohl ich gelernt hab, wer darin tickt, merkt es nicht. Nur wenn er sein richtiges Gegenüber findet, das erstmal nur hilft zu verstehen, was geschieht. Mit Flüchen und Schwarzer Magie hat ein Doublebind halt wirklich gar nichts zu tun.

Bei ihm bin ich eigentlich nur bei dem Satz: die Kunst der Transformation ist eine Meisterschaft.
Aber er beschreibt soviel Kampf, Kraft verschleudern, Schattenboxen. Den Smoky Mirror mit dem er das Buch beginnt.

Der Autor

Was mich wirklich arg irritiert, der Autor studierte Medizin und Chirurgie. Basiswissen in Psychologie, war bei dem Studiengang sicher auch dabei. So dass Ruiz das Eine mit dem Anderen hätte in Verbindung bringen können.

Nur weil etwas vor ein paar tausend Jahren so war, braucht es das heute nicht mehr sein. Das heißt nicht, alles Altes wäre per Definition falsch oder überholt. Aber für mich gehört das Eine mit dem Andern zusammen gebracht. 

s’ Hex’nhais’l.

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