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Eine Meinung. Meine Meinung. Eine Sichtweise. Meine Sichtweise.

Zur Zeit die deutschen Sender einzuschalten, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Kein Format läßt die Ereignisse in Paris aus, interpretiert sie, wiederholt die doch immer wieder selben oder ähnlichen Bilder und unterlegt sie mit anderen Worthülsen oder Kommentaren.

Ich sage bewußt die Ereignisse in Paris, ich will es nicht mehr anders nennen, ich will mich diesem verbalen NLP oder Brainwash der über die Medien verbreitet wird, weder anschließen noch unterwerfen.
Ich will auch den apokalyptischen Kult, wie Petra Ramsauer den IS in der Kreuz und Quer Diskussion: Woher der mörderische Hass der Dschihadisten? nannte, in seiner Propaganda nicht unterstützen.

Kein Tag, kein Abend, an dem nicht Formate laufen, wo apokalyptischer Kult und Islam Thema sind. Ich schalte das TV ein und mir werden Horrorbilder offeriert, die der apokalyptischen Kult (IS) zu Propagandazwecken produziete. Ich sehe an die Wand, ich schau mir das nicht an. Ich verweigere mich dem, und dem Terror. Die Sendeanstalten zeigen diese Bilder jeden Tag, unterlegt mit Meinungen und Einschätzungen verschiedenster Experter. Meinungen und Einschätzungen, sind aber keine Nachrichten, es sind lediglich Meinungen, Einschätzungen, Kommentare, sie können zutreffen, ganz, teilweise oder nicht.

Im Namen der Information werden die Propagandabilder des IS gezeigt. Sie bekommen die Öffentlichkeit und Medienpräsenz die mit Teil dessen ist, was erreicht werden soll. „Wir“ lassen uns für ihre Zwecke benutzen.

Zur Zeit schaue ich ganz gezielt ORF – nur wenn ich mich richtig aufregen möchte, deutsche Sender. Beim ORF bekomme ich Information, wird mir als Zuschauer sogar zugestanden, dass ich in der Lage bin selbständig zu denken und Zusammenhänge herzustellen, auf deutschen Kanälen erhalte ich eine Gehirnwäsche in Sachen Angst und Schrecken, und wie läßt sich beides noch zusätzlich schüren mit Wort und Bild.

Nach 9/11 gab es eine riesige Diskussion über den Umgang der Medien mit solchen Ereignissen, allen voran mit Klaus Kleber (damals noch ARD, heute ZDF). Bei Paris 2015, habe ich nicht den Eindruck, dass die deutsche Medienlandschaft aus dem gesagten nach 9/11 eine Konsequenz gezogen hat.

Mir gehen die Fragen, die Journalisten stellen, teilweise fürchterlich auf die Nerven. Auch die Manie der Berichterstattung, alles berichten zu wollen. Wozu soll es dienen, außer Angst und Schrecken zu schüren, und sich damit im übertragenen Sinne in den Dienst des IS zu stellen, und gleichzeitig diejenigen, die für den Terror verantwortlich sind, in ihrer Planung auch noch zu unterstützen, indem sie über die Sendeanstalten „aktuellste“ Ergebnisse und Erkenntnisse frei Haus geliefert bekommen.

Ich kann den Shitstorm der über de Maiziere erging, wegen seiner Formulierung, Antworten würden die deutsche Bevölkerung verunsichern…, nicht ganz nachvollziehen. Eine unglückliche Formulierung, gut, aber warum die künstliche Entrüstung, die ohnehin nur Schall und Rauch ist.
Und weshalb kommen eigentlich so wenig Leute auf die Idee, mal die Journalie zu hinterfragen? Welche Art Journalismus und Berichterstattung ist das, wo Fragen gestellt werden, bei denen theoretisch der gesunde Menschenverstand brüllt (nicht nur schreit), da kann es keine Antwort geben.
Ist das noch Berichterstattung?

Mir geht es an dieser Stelle anders. Ich entrüste mich eher über den Journalisten der eine Frage stellte, auf die es einfach keine Antwort geben kann. Wo denkt er hin? Wie denkt er überhaupt? Was will er? Eine Offenlegung aller Fahndungsergebnisse? Wie dumm, ich kann es nicht anders formulieren, muß man sein, zu dem Zeitpunkt so eine Frage zu stellen und allen ernstes eine Antwort zu erwarten. Ich komme da nicht mehr mit.

Als ich Ende der 1980ger Jahr mit der U-Bahn zur Arbeit fuhr, hörte ich einen Satz, über den ich mich damals maßlos aufregte:

Was in einem totalitären System die Propaganda, sind in der Demokratie die Medien.

Damals hat mich diese Satz fuchsteufelswild gemacht, ich konnte und wollte ihn weder akzeptieren noch so stehen lassen. Heute, im Jahre 2015, finde ich er trifft den Kern der Sache zu 100%.

Seit Freitag sehe ich mehr oder weniger auflöste, angespannte Journalisten über die Mattscheibe flimmern. Die einen sichtlich geschockt von den Ereignissen, die anderen mit erhobenen Zeigefinger, die wieder anderen, gefangen in ihrer eigenen Angst und persönlichen Betroffenheit. Ich vermisse in dieser Berufssparte komplett die Professionalität die sie vorgibt zu haben und zu repräsentieren.

Ich vermisse die historischen Zusammenhänge der letzten 50 Jahre, wie sich dieses Terrorszenario aufgebaut hat, was sich in der arabischen Welt abspielte, wie das eine zum anderen kam, usw. usf. Dazu gäbe es eine Menge Informationen…

Ich habe auch keinerlei Bedürfnis mehr mich tiefer mit dem Islam auseinander zu setzen, er ist nicht meine Religion. Es steht mir frei zu entscheiden, ob ich mich, mit welcher Religion auch immer, auseinander setzen möchte oder nicht. Plötzlich sehe ich mich öffentlich rechtlich gezwungen, mich mit Gedankengut des Koran auseinander zu setzen. Warum? Wieso muß ich das? Ich verweigere mich.

Wieso führen wir eigentlich eine religiöse Debatte? Der Mantel der Religion wird über etwas gebreitet, was etwas anderes ist. Die Religion wird als Mittel zum Zweck einer totalitären Gruppe mißbraucht. Für diese Gruppe ausgesprochen praktisch, so lassen sich Menschen beherrschen und terrorisieren. Die Täter fühlen sich nicht selbstverantwortlich, handeln nicht selbstverantwortlich, sie“sind“ Diener eine „Sache“, und der Verantwortung für ihr handeln scheinbar(!) enthoben. Es folgt einer paradoxen Logik, die Markenzeichen totalitärer Systeme ist.

Ich bin in den 1970ger aufgewachsen, heute nennt sich das, ich wurde in der Zeit sozialisiert… In meiner Kindheit habe ich mehr als einmal gehört, wir können heute nicht in die Stadt fahren, es gibt eine Splitterbombendrohung der RAF. Das gehörte zum Leben, damit mußte ein Umgang gefunden werden. Als die Zeit der RAF vorbei war, rückten andere Bedrohungen in den Vordergrund. Es herrschte kalter Krieg, auch da war Angst ein ständiger Begleiter und immer war sie diffus. Auch damit mußte man leben. Als der kalte Krieg endete, kam der Jugoslawienkrieg. Sozusagen vor der Haustür. Alle schauten zu, sehr, sehr lange. Bis kein Weg mehr daran vorbei führte einzugreifen. Was dieser Krieg alles mit sich brachte, wiederholt sich heute – ausgenommen die Terroranschläge – wieder. Neu ist daran nichts. Dem folgte 9/11, ein in der Form davor noch nicht da gewesener Terrorakt, dann kamen Madrid, London, Bombay und aktuell Paris.

Die journalistischen Superlativen in Worten, erscheinen mit unerträglich, vermessen, und ich stelle mir ein ums andere Mal die Frage, hat dieser Berufsstand ein echtes Gefühl für den situationsgerechten Umgang mit Worten und Fragen? Ein Erinnerungsvermögen an die Zeitgeschichte, auch nur für die letzten 20 Jahre…, ein Gespür, wann es darum geht, Ruhe in eine Situation zu bringen, anstatt die Situation mit unangemessenen Fragen, Interpretationen, Einschätzungen und Meinung zusätzlich zu schüren.

Ist Terror, dessen erklärtes Ziel es ist – egal von wem er kommt, wohin er zielt – zu destabilisieren, ein Thema das talkshowgeeigent ist? Wir plaudern/talken in den Abendstunden deutschlandweit über Terror, Krieg, Tod, Horror… Eigentlich bin im Moment doppelt entsetzt, von den Ereignissen selbst, und dem medialen Umgang damit.

Der Alarmzustand, der zusätzlich künstlich geschürt wird, über soziale Netzwerke, Newsticker, ständige Brennpunkte, macht Menschen verrückt. In Therapien, wo es unter anderem auch darum geht, zur Ruhe zu kommen, und Ruhe in etwas zu bringen, um die Fähigkeit zum klaren Denken wieder zu aktivieren (Angst und Schrecken waren noch nie gute Ratgeber) ist solcher Informationsterror, etwas, was gelernt werden muß, auszuschalten.

Wieso muß es über Twitter# Nachrichten geben? Eine Nation regt sich über die Antwort eines Innenministers auf. Ein ganzer Berufsstand, wird dagegen nicht hinterfragt, wie er auf Fragen kommt, auf die es zu dem Zeitpunkt einfach keine Antworten geben kann. Wieso werden an dieser Stelle Fragen gestellt, wo zumindest ich mir an den Kopf fasse.

Theoretisch sollte es doch darum gehen, Ruhe in eine angespannte Situation zu bringen, ein Teil dieses Jobs liegt in den Händen Journalie. Und ich finde, diesbezüglich macht sie in Deutschland einen richtig miesen Job.

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