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War ich heut am Schlachthof, Hundefutter kaufen. Weil beim Metzger um die Ecke, gibt’s seit langem schon keine Schlachtabfälle mehr.

almAnno dazumal, also vor etwa 20 oder 30 Jahren, war es überhaupt kein Problem, beim Metzger nach Schlachtabfällen zu fragen. Hatte er einfach, hat damals schließlich noch selbst geschlachtet.

Im Jahre 2016 grenzt das an Nostalgie, oder muß BIO drauf stehen, was die selbe Sache gleich viel, viel teurer macht, für den der einkauft.

So sind in den letzten 15 Jahren Marktsegmente entstanden, die davor gar nicht denkbar waren. Heute verkaufen Freßnapf, Dehner, Kölle und wie sie alle heißen, feine Schweinereien für Hunde, für teuer Geld, was aber nichts anderes ist, als das was früher Schlachtabfälle waren.

Schon alles eine ziemlich seltsame Welt. Schaut man sich mal genauer an, was in so einer Dose Hundefutter ist, könnt’s einen glatt frieren. Aber bequem ist es, Dose auf und gut, so der Hund es verträgt.

Ich hab mir das mal durchgerechnet. Das was sich früher Schlachtabfälle nannte, und ich heute extra beim Metzger am Schlachthof kaufe, plus Reis, Äpfel, Karotten, sonstiges Gemüse, manchmal Käse, und Fleisch vom Discounter, ja ich gehe dort auch einkaufen, Fleisch das noch 2 Tage bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum (auch für mich selbst) hat, aber für 30% weniger als zum herkömmlichen Verkaufspreis angeboten wird…, da bekommt mein Hund deutlich besseres Futter, und gleichzeitig kostet’s mich viel weniger als Dosenfutter. Schon irre.

Auch eine nette Kapriole, nachdem im Metzgerhandwerk viele gezwungen waren, das selbst Schlachten aufzugeben – womit die Schlachtabfälle wegfielen, entstand über die Jahre eine neue Ideologie, die sich nun Barfen nennt. Ein „sehr“ gelungener Marketinggag. So läßt sich aus dem, was anno dazumal so ziemlich bei jedem Metzger zu kaufen war, eine eigene Marktnische generieren, und für die selbe Sache, sehr viel mehr Geld verlangen. Da kann einem schon das Grausen kommen.

Weil in meinem Haushalt auch Herr Kater lebt, der Senior der inzwischen Spezialfutter für die Nieren braucht, kam mir das erst so richtig zu Bewußtsein. Mein so ziemlich erster, wenn auch böser Gedanke war, die Leute wollen verarscht werden. Jetzt kaufen die hier, im Fachhandel für Tierfutter, die Schlachtabfälle für teuer Geld. „Ja, da merkst auch, dass’d alt wirst, wenn’st anfangst die Welt so zu sehen.“ Da ist kein Glitzern und Funkeln mehr im Neuen, da kommt ganz viel, was wollt ihr mir jetzt wieder andrehen, indem ihr ein neues Ettiket oder Pickerl drauf klebt?

Und das gibt’s in so vielen Dingen des Lebens. Ich glaub in den 1980gern kam er, der laute Schrei nach Bio, ökologischem Handeln und Verhalten. Verpackungen sollten reduziert, die Waschmittel entschärft, ja und der Plastikverbrauch drastisch eingeschränkt werden, ich glaub das war auch die Zeit, ab der Plastiktüten Geld kosteten. Die Wörter nachhaltig und Bio werden ja heutezutage auch inflationär verwendet. Wo’s drauf steht, ist es noch lange nicht drin.

Und dass die Plastiktüte ein 10erl kostet, wen schert’s? Dafür gibt’s den Kaffee in Kapseln, Portionsgerecht und mannigfach verpackt. Bei den Waschmitteln wurde zwar entschärft, aber da ist es nicht anders. Dafür gibt’s heute Waschkraftverstärker, Oxi in allen Varianten, usw. usf.

Sind wir wieder da, wo wir vorher auch waren, aber das Marketing hat profitiert, und die Großkonzerne. Worum es mal ging, ist Makulatur. Und BIO ist auch so eine herrliche Mogelpackung. Alles weiterhin in buntem Plastik verpackt, grad das ist ja soooo BIO…, das Gemüse genormt, krumm darf es nicht sein, weil’s der Verbaucher dann nicht kauft, obwohl krumm wirklich BIO wär‘. Mit dem Pickerl BIO läßt sich aber ein Haufen Geld verdienen, von Großkonzernen…

Heut als ich da in der Warteschlange stand, mir die Schlachtabfälle ansah, wartete bis ich dran kam, ging mir das so durch den Kopf.

Es kommt alles wieder, mit anderem Namen und dann meistens viel, viel teurer.

 

Nachtrag zum Thema Bio:

Patente auf Leben stoppen!

Eine Welt, in der Obst und Gemüse, aber auch Saatgut und Tiere nur noch Monsanto & Co. gehören? Geht es nach dem Europäischen Patentamt, könnte dies bald Wirklichkeit werden. Verbraucherschutzminister Heiko Maas muss nun handeln. Er kann verhindern, dass exklusive Patentrechte auf unsere Lebensmittel an Konzerne vergeben werden.

Ein Patent ist ein exklusives Recht an einer Erfindung, das  20 Jahre gültig ist. Es ermöglicht dem/der Erfinder/in, seine Erfindung als Einziger zu verkaufen – andere Wettbewerber werden so vom Markt ferngehalten. Patente sollen eigentlich Innovation und Erfindergeist fördern, weil der Besitzer lange einen höheren Preis erzielen kann.

Patente auf Leben können alle Arten von Pflanzen betreffen: Gemüse wie Tomaten, Brokkoli, Paprika und Salat genauso wie Soja, Mais und Weizen. Es geht dabei um Pflanzen, die von Natur aus bestimmte Merkmale haben. Das kann eine Melone sein, die gegen bestimmte Viren resistent ist; ein Salat, der sich nicht so schnell braun verfärbt oder ein Brokkoli mit einem längeren Stiel zur leichteren Ernte.

Die Patente erstrecken sich zudem auf die Ernte, die Früchte oder verarbeitete Lebensmittel wie Bier und Brot. Sogar Tiere wie etwa Schweine und Kühe können betroffen sein.

Wir meinen, dass das Leben grundsätzlich nicht patentierbar sein darf. Pflanzen und Tiere sind keine Erfindungen im Sinne von Patenten – folglich dürfen Konzerne daran auch keine Rechte erwerben.

Quelle https://www.campact.de/patente/appell/teilnehmen/

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