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fleisch nein, so schaut das Fleisch für Frau Hund, das ich im Schlachthof kaufe nicht aus, so angerichtet ist auch nicht. Dafür in Trögen und Plastikbehältern – Verkaufstheke wie beim Metzger, gibt es keine, dafür sehr nette Verkäuferinnen. Für Frau Hund, kaufe ich dort Knochen, Lunge, Niere und Gurgel.

Heute war ich wieder „Schlachtabfälle“ kaufen, und fragte die Verkäuferin, ob die Kunden – außer mir, keiner sichtbar von hier – das Fleisch für sich kaufen, weil’s gar so viele waren. Da erzählte sie mir, grad gestern gab’s einen Zeitungsartikel, dass die Flüchtlinge ihr Fleisch bei ihnen holen.

Das Kilo Fleisch 2,50 Euro – und letztendlich ist die „Tiermetzgerei“ nichts anderes, als die Fleischbank von anno dazumal, schreibt auch der Münchner Merkur. Über was er schreibt, war vor 10 oder 15 Jahren schon Thema, nur dass es statt der Flüchtlinge oft Rentner waren, weil die Rente für Fleisch vom Discounter oder gar Metzger nicht reichte. Inzwischen gehen auch so einige Rentner Flaschen sammeln, weil die Rente immer noch nicht ausreicht. Aber der Rentner, der beim Tiermetzger sein Fleisch kauft, fällt nicht weiter auf, ein Flüchtling schon, und wenn sie täglich in Schlangen anstehen, erst recht.

Aber was ist jetzt der Unterschied zu dem Fleisch das beim Discounter angeboten wird? Der Merkur berichtet, dass auch Überproduktionen, an den Tiermetzger abgegeben werden – das selbe Fleisch, das wir in den Ladentheken sehen, als Tierfutter deklariert. Was eine Dekadenz. Und gleichzeitig schreibt der Merkur: Aber es ist durchaus traurig, wenn Menschen derart aufs Geld schauen müssen, dass sie darauf zurückgreifen. Ich finde es eher bitter, in mehrerlei Hinsicht. Einwandfreie Ware, die zum Tierfutter herab gestuft wird, weil überproduziert wurde. Der Verfall eines Lebensmittels, obwohl es eines ist. Und es sind nicht nur Flüchtlinge, die dort einkaufen müssen.

Der Metzger selbst, hat eine ziemlich gesunde Einstellung. Zitat aus dem Merkur:
Für Josef Gassner, den Geschäftsführer des Tierfutter-Vertriebs, ist das (Die Ware ist nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt) kein Problem. „Das weiß ich nicht, für was die das Fleisch nehmen“, sagt er. Dann fügt er doch hinzu, dass es wohl im Kochtopf lande: „Das liegt im eigenen Ermessen, wir essen das selber auch“, sagt der Geschäftsführer. Alles Fleisch, was bei ihm lande, sei automatisch als Produkt der Kategorie 3 klassifiziert, also nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt. Das ändere nichts daran, dass vieles davon genießbar sei.

Auch vom Gesundheitsamt heißt es: Der Verzehr des Fleisches sei im Grunde unbedenklich, teilweise handle es sich schlicht um Überschussware. Die Verwendung des Fleisches sei Sache des Verbrauchers und unterliege nicht der Verantwortung des Verkäufers.

Und auch in München, wird es Menschen geben, die nicht zu den Flüchtlingen, dafür sozial Schwächeren zählen, die dort ihr Fleisch holen. Das Leben am Rande der Alpen kann hart sein, das zeigen Rentner und Menschen die auf Hartz IV angewiesen sind, die im Sommer an der Isar, die täglich in Massen herumliegenden leeren Pfandflaschen der Partypeople einsammeln, um ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Die, die ihre Flaschen dort liegen, betrachten es als „Benefit“ für jene, die weniger haben als sie. Auch Ausdruck einer sagenhaften Dekadenz.

So Sachen sind nicht nur traurig, sondern bitter.

Münchner Merkur vom 05.02.16: WAS DER HÄNDLER UND DAS KVR SAGEN – Traurig: Hier kaufen Flüchtlinge Tierfutter – und essen es.

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