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Rosengarten – ein lauschiges Plätzchen

Bis 2008 grenzten die Müllwagen der städtischen Müllabfuhr das Gelände zur Sachsenstraße hin ab. Seit dem ist viel passiert, Müllwagen an der Stelle gibt es nicht mehr, der Rosengarten wurde erweitert. Wo einst die Garagen standen, findet sich heute ein Kinderspielplatz mit Teich, den ein natürlicher Bachlauf speist. Und so ruhig beschaulich, wie vor einigen Jahren, als der Rosengarten noch münchner Geheimtipp war, geht es dort auch längst nicht mehr zu. Hier trifft sich Hinz & Kunz aus Untergiesing und viele andere.

Manchmal lasse ich dort den Tag ausklingen, mit einem Buch oder Ratsch mit Fremden. So auch gestern. Lernte ich eine Frau, um die 50 kennen, vor einiger Zeit zugezogen aus Deggendorf (Niederbayern). München begeistert sie, an sich. Das kulturelle Angebot, die Vielfalt, das bunte Treiben. Immer wieder schön zu sehen, was zuerst einnimmt, und sich im laufe der Zeit beginnt zu ändern.

Was ihr zu schaffen macht, sind die Preise – Mieten, Mietnebenkosten, Lebensunterhalt. Es summiert sich, in so einer Stadt. Das kulturelle Angebot ist zwar imens, bedingt aber eines gewissen Kapitals, also monatlichem Einkommen, was alleine aber noch nicht reicht, man muß auch noch Glück haben, denn die heißbegehrten Theater- oder Konzertkarten, sind schneller weg als man denkt.

Was ihr auffällt, der tiefe Graben zwischen Gehältern und Mieten – so man in einem normalen/gewöhnlichen Beruf sein Geld verdienen möchte/muß. Eine sauteure Stadt dieses München, und was machst mit dem schönen kulturellen Angebot, wenn Du’s Dir gar nicht leisten kannst? Was eine Frage…

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Tomatenpflanz’l im Gart’l

Und manches aus Niederbayern, fehlt ihr wirklich. Wie ihr Gart’l, in dem sie ihr Gemüse zog. Mit einem kleinen Appartement in Untergiesing, war das aber noch ein lösbares Problem.

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Die Beete von Green City

Für 50 Euro hat sie dieses Jahr ein Gart’l im Rosengarten gemietet. Begeistert war sie von der Tatsache, dass ihr auch das Saatgut gestellt wird. Nur pflegen muß sie das Garterl, dafür kann sie ernten, was sie anbaut. Deutlich günstiger als ein Schrebergarten, aber hier langen auch Hinz & Kunz hin. Dafür sind die Gartl nämlich auch gedacht. Das Gartl’n den Leuten wieder Nahe zu bringen. Also wie wächst eigentlich Gemüse, was gibt’s, wie schmeckt’s, wenn’s nicht vom Discounter kommt…

Im Moment schaut’s ein bisserl duster aus für sie in München. Sie ist wieder auf Jobsuche. So redet man über dies und über das. Zieht Vergleiche zwischen Nieder- und Oberbayern.

Milchpreise werden Thema. Wie ein Bauer für 22 Cent pro Liter, Milch produzieren – plus davon leben soll, bleibt auch für uns in dieser Unterhaltung ein Rätsel. Die einzige – für uns Normalbürger – erkennbare Tendenz, ist eine systematische Zerschlagung der nicht „industriell vereinten“ landwirtschaftlichen Betriebe. Eine Art Komplettumbau der bisherigen Strukturen, zugunsten international operierender Großkonzerne. Womit Mittelstand und Kleinbetriebe schlichtweg platt gemacht werden, indem man ihnen die Lebensgrundlage entzieht. Mit 22 Cent pro Liter Milch ein einfaches. Ein Land baut sich um, nicht nur in der Landwirtschaft.

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Laube Rosen

Während dessen sitzt ein paar Meter weiter, in der Laube, unter den Rosen, ein ganz wichtiger Mitdreißiger. Gibt ein Interview, so dass jeder, ob er will oder nicht, hört was er zu sagen hat. Ich hab ihn nicht gekannt, auch seine Stimme war mir nicht vertraut, Dialekt aus dem Schwabenland, und mordswichtig. Das Spektakel hat ungefähr eine Stunde gedauert, und am Ende stellt sich raus, war nur für seine Website – ein kleiner Einspieler.

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Bepflanzungen

Seit der Rosengarten so an Bekanntheit gewonnen hat, ist dort ein wirklich buntes Volk anzutreffen. Auch der eine oder andere Fotograf, radelt dort zum Sonnenuntergang durch, erkundigt sich ganz unbedarft, wie das denn sei, ob man hier des Nächtens auch rein kann. Über’n Zaun klettern und einsteigen, denn eigentlich ist der Nachts ja geschlossen… Wie das denn wäre, ob hier auch Security patrouillieren würde. Machen kann man viel, auch über Zäune klettern, nur erwischen sollte man sich nicht lassen.

Die Rosengartengespräche sind immer wieder vielfältig. Bei der Frau aus Deggendorf, ist die Frage, trotz der so ansprechenden kulturellen Vielfalt Münchens, wie lang sie sich München noch leisten kann. Ob’s vielleicht nicht doch wieder zurück nach Niederbayern geht, zweck’s der Mieten, den Kosten die mit der Vielfalt verbunden sind, und damit der stark eingeschränkten Nutzung der selben, und auch so einiges anderes, was auch wieder mit Geld zu tun hat, wo Leben in Deggendorf, dann doch rein existentiell gesehen, angenehmer und vielfältiger ist, als in München. Bis auf die Sache mit den Kirchgängen – die spricht für sie immer noch gegen Niederbayern.

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