Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Wirf Dich auf den Markt, oder wie nennt man das?

Irgendwie fühlt es sich komplett anders an, als ich es mir mit 20, 30 oder 40 vorgestellt habe – und gleichzeitig auch nicht. Innen drin das Lebensgefühl als ich zwischen 30 und Mitte 40 war, im Leben draußen, meine Güte, die Zukunft sind nicht mehr die in „weiter Ferne“ liegenden 50, ich bin drin.

So richtig angekommen ist es, als ich mich vor einiger Zeit entschied, ich schau mir jetzt mal an, wie das ist mit Kontaktanzeigen, in meinem Alter;)
Bis dato wollte ich es nicht, suchte auch im echten Leben nicht nach Begegnung. Ich habe was ich „Wir“ nenne schon erlebt, und ich war von diesem „Wir“ überzeugt. Es hat Zeit gebraucht, um das „alte Wir“ zu verabschieden. Ich kann mir jetzt wieder etwas vorstellen, Unterscheidungen treffen, davor konnte ich es nicht, und ich hätte nur gesucht, was nicht mehr war. Dabei sind eine Menge Jahre ins Land gezogen.

In den, ich glaube die 1980gern war es, gab es einen Spruch, der sinngemäß lautete, es ist wahrscheinlicher, dass eine Frau ab 50 von einem Flugzeug erschlagen wird, oder bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, als dass sie nochmal eine Beziehung aufbauen kann.

Ob dem so ist, versuche ich jetzt mit einer klassischen Kontaktanzeige heraus zu finden. Multiple joice mit Bildchen, wie in den Datingportalen, gefiel mir einfach nicht.

Die ersten Antworten sind bereits gekommen. Auffallend, junge Männer in den 20gern bis Anfang 30, scheinen das Lesen nicht gelernt zu haben. Würde ich so einen wollen, würde ich genau die, nicht akkurat ausschließen. Was sie aber gern schreiben, sie sind viel reifer, als es die Zahl ihrer Jahre vermuten läßt. Ja, ja, die Sache mit der Reife…

Dann die Üblichen, die es schon gab, als ich 20, 30 oder 40 war, die haben ein Haltbarkeitsdatum, dass einem schwindlig werden könnte. Gibt’s bei Männern genauso wie bei Frauen.

Plus die, wo man als Frau die Beine unter’n Arm nimmt und rennt, so schnell und soweit die Füße tragen. Mit der Vorstellung, dass man ausschließlich und nur für sie lebt. Keine Freunde, Verwandten, eigenen Interessen hat, schlicht in ihren Besitz übergeht. Auch die gab’s schon, als ich jung war. Bei ihnen scheint’s mir aber, dass die Summe der gelebten Jahre, die Sache verschlimmert hat. Und auch die gibt’s bei Männern und Frauen gleichermaßen.

Dann gibt’s noch, die mit Anfang/Mitte 50 endlich ankommen wollen. Klingt für mich auch seltsam, in dem Alter. In dem Alter bin ich davon ausgegangen, dass die meisten schon mal angekommen sind, es war wenigstens einmal vollständig, rund, und ging trotzdem in die Brüche, warum auch immer.

Ab 50 ist das Mensch soweit – nahm ich an – dass es gelernt hat, worauf’s ankommt. Es paßt oder es paßt nicht. Wenn es paßt, ist es schön, das Beste was einem passieren kann, dann bleibt man, wenn es nicht paßt, läßt man es, aus gutem Grund.

Ich persönlich habe auch keine Lust auf Matratzenhopping. Ich brauch’s auch nicht um meinen Selbstwert damit zu stärken. Aber anscheinend gibt es viele die genau das immer noch wollen/brauchen.

Was mich auch noch sehr hat staunen lassen, die Männer die die Sache mit den Kindern so formulierten: Um irgendwelche Kinder wollen sie sich nicht kümmern. Ich habe keine, aber der Charakterzug der daraus spricht, nein Danke, auch von einer Kinderlosen.

Schon seltsam, wer da alles antwortet, und wie da geantwortet wird. Vom zornig und ausfallend werdenden Mann, den man weder kannte noch je gesehen hatte, nur schrieb, dass er zu weit weg = 500 km, lebt.
Dem, der nur eine Spiegelfläche sucht, um sich gut zu fühlen.
Jenen, die einen jenseits der 50 immer noch als ihr Eigentum betrachten wollen, trotz des gelebten Lebens, das hinter ihnen liegt.

Vermögen ist auch immer noch ein wichtiges Thema. Ich staune, wie sehr es hervor gehoben wird. Wie anno dazumal das Auto, das man(n) fuhr.

Ich bin echt von gestern. Mich interessieren die Vermögensverhältnisse im ersten Schritt mal nicht. Ich möchte wissen, wer das ist, was für eine Person, was für ein Mensch, was macht er, was hat er erlebt, wie war sein Leben, was interessiert ihn, woran hat er Spaß, was kennt er, wie tickt er? Finde ich wirklich wichtiger.
Ist aber auch bei mir so, dass ich bei Hochverschuldet ohne Silberstreifen am Horizont, jede Menge Leichen im Keller letztendlich die Biege machen würde. Ich finde es aber trotzdem extrem schräg, die Vermögensverhältnisse so in den Vordergrund zu stellen.

Mal sehen, wie das weiter geht. Bis jetzt erreichte mich eine Zuschrift, die ich wirklich angenehm finde. Dabei geht’s nicht um ich habe…, sondern ich bin, mit Freude an, ich lebe so und so, ich kenne… Mir gefällt das, ich finde es angenehm. Freundliches Kennenlernen, das Luft und Raum läßt. Auch keine sexuellen Anspielungen. Ohne Druck, kein ich will unbedingt, ich hab das und das Ziel, ich brauche unbedingt…

Was ich auch merke, ich bin komplett draußen aus dem Flirtthema. Sieht aus, als hätte verlernt wie es ist/geht. Die Leichtigkeit des Seins… Ob’s anderen in meinem Alter auch so geht?

Leben ab 50 ist tatsächlich anders. Für mich.

 

Fotos: Pixabay

Advertisements