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Eine kleinere bis mittlere Gärtnerei irgendwo im Süden Deutschlands. Ich lies mich anstellen, für die Vermarktung von Biolebensmitteln.

Mit 53, als Kind aufgewachsen in einem Umfeld, dessen Normalität ausmachte mitzuerleben wie die Bäuerin nebenan die Hühner köpfte und abbrühte, um sie danach zu rupfen oder den Bauern der Sauen für den Eigenbedarf schlachtete, ist es mit Bio im Lebensmittelhandel so eine Sache. Selbes gilt auch für alles pflanzliche. Die Normalität vergangener Zeiten waren Gemüsegärten und Streuobstwiesen, inklusive wie wird was gelagert, eingekocht und haltbar gemacht?

Ich heuerte also in einem Biobetrieb an. Stand auf Märkten, verkaufte Obst und Gemüse, baute Stände auf und ab, erlebte wie dieser Biobetrieb arbeitete.

Ich staunte über Fragen die Kunden stellten. Wie z.B.
Läßt sich Paprika roh essen und muß man die Schale abziehen?
Wie lange hält sich der am Morgen oder Tag davor geerntete Salat? Ist der in zwei Tagen noch eßbar?

Äpfel die in den 1970ger und 1980ger Jahren auf Streuobstwiesen liegen blieben, lassen sich inzwischen für 6 oder 7 Euro das Kilo verkaufen. Teurer als die vom Bioapfelbauern am Bodensee angebauten.

Auch heute gibt es noch Streuobstwiesen oder Apfelbäume die links und rechts der Feldwege stehen, dort liegen diese Äpfel immer noch am Boden. Jeder der vorbei kommt kann sie mitnehmen, es bedarf nur des sich bückens…

Ein anderes Thema, waren die Arbeitsbedingungen. Marktstände auf- und abzubauen ist körperlich harte Arbeit, der Verkauf am Stand ebenfalls. Keine Pausen, rennen, rennen, rennen, wach bleiben und bei der Sache, also bei den Kunden und Waren. Immer bereit Auskunft zu erteilen, egal wie lächerlich die Frage erscheint, denn diese Fragen sind in 99% der Fälle ernst gemeint.

Es konnte einem auch ohne weiteres passieren, von einer Eisenstange getroffen zu werden, mit der ernst gemeinten Frage: tat das jetzt weh? Während beim leisesten knacken eines Kohlrabiblatt schon der Rüffler kam, man beschädigt die Ware und soll besser aufpassen. Und Trinkgelder gehörten grundsätzlich dem Betrieb. Der eine oder andere Kunde steckte darum den Mitarbeitern die Trinkgelder auch heimlich zu. 

Hauptaufgaben eines Gärtners, neben dem Anbau selbst: Gemüse putzen. Für Mitarbeiter am Stand, galt selbes. Was bedeutet: Waren die das Zeitliche längst gesegnet hatten, wurden zurecht „geputzt“ um sie als „Frische Ernte'“ zu verkaufen. Obst und Gemüse das in den 1970ger und 1980ger Jahren an die Schweine verfüttert worden wäre, blieb als Bioware zum vollen Preis im Verkauf – bis unmittelbar vor der Ungenießbarkeit. In diesem Stadium war es für Mitarbeiter gedacht, während die Geschichte kursierte, selbst zwei Tafeln hätten Waren in dieser Verfassung als Spende für die Bedürftigen abgelehnt.

Im Hinblick auf Schadnager, gab es auch einiges zu beachten, beim Aufbau der Stände und Waren. Trotzdem wurde von Mäusen angenagtes Obst oder Gemüse für den vollen Preis verkauft…
Der Verkäufer schweigt und hofft, dass kein Kunde die Mäusebisse am ein oder anderen Gemüse erkennt, oder gar Fragen stellt.

Mit beginn der kalten Jahreszeit, stellte ich jedenfalls Bio noch mehr in Frage.

Standmieten beinhalten Strompauschalen, so wurden die Stände mit einer kleinen Gasheizkanone beheizt, gedacht für Marktstände mit der halben Fläche. Um diesem Manko entgegen zu wirken, kamen Elektroheizöfen zum Einsatz. Die verwendet man gewöhnlich um kleine Naßzellen mit vielleicht  2 qm kurzzeitig aufzuheizen. Hier sollten sie Obst und Gemüse vor Frostschäden bewahren und den Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, sich kurz aufzuwärmen. 

Knapp 8 Monate hielt ich durch, übernahm Schichten die oft Morgens um 5.30h begannen, während ich am Abend davor um 21.00h von der Arbeit nach Hause kam.

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